Heute am 1. Juli 2026 verkündete der Deutsche Eishockey-Bund stolz eine neue Maßnahme: Die Vereinsbetreuung wird regional neu aufgestellt. Kürzere Reisewege, mehr Vor-Ort-Termine, ein verstärktes Team mit Julia Zorn, Danny Pyka und Anja Strohmenger. Florian Ondruschka, Cheftrainer Talent- und Vereinsbetreuung, erklärt: „Mit der neuen Struktur schaffen wir die Voraussetzungen, unsere Vereine noch individueller und enger begleiten zu können."

Klingt gut, klingt nach Fürsorge, klingt nach Fortschritt, aber man darf eine Frage stellen! Eine ganz dumme, einfache Frage - Die Frage, die man sich beim Lesen dieser Pressemitteilung unweigerlich stellt: Wofür?

Wofür betreut man Vereine, die man gleichzeitig aushöhlt?

Zum selben Zeitpunkt, an dem der DEB seine Vereinsbetreuung als „wichtigen Meilenstein" feiert, läuft der Transfermarkt auf Hochtouren und was sieht man dort? Alex Brännstam, 25 Jahre alt, Verteidiger, zuletzt bei Hudiksvalls HC in der dritten schwedischen Liga – der Hockeyettan. Verpflichtet von den Lausitzer Füchsen in der DEL2 und gleichzeitig die erste Auslandsstation seiner Karriere. Noch kein einziges Pflichtspiel außerhalb Schwedens und in der Pressemitteilung der Lausitzer Füchse steht schwarz auf weiß: „Es besteht die begründete Aussicht, dass der Neuzugang bis zum Saisonstart die deutsche Staatsbürgerschaft erhält."

Das ist kein Einzelfall, das ist Programm. Während der DEB Vereinsbetreuer mit kürzeren Reisewegen ausstattet, damit sie die Nachwuchsarbeit der Klubs begleiten können, holen diese Klubs Spieler aus der dritten schwedischen Liga und stellen ihnen den deutschen Pass in Aussicht, noch bevor sie ein einziges Spiel in Deutschland absolviert haben.

Man muss das kurz sacken lassen: Ein 25-jähriger Schwede, der noch nie im Ausland gespielt hat, erhält möglicherweise die deutsche Staatsbürgerschaft, um einen Kaderplatz zu füllen, der eigentlich für einen deutschen Spieler vorgesehen wäre. Das ist die Botschaft, die der Transfermarkt sendet - Nicht die Pressemitteilung des DEB.

Was das über das Vertrauen in deutsche Spieler sagt

Brännstam selbst ist vielleicht kein schlechter Spieler. Er hat eine erstklassige schwedische Ausbildung, war in der Jugend bei Djurgårdens IF in der SHL, erzielte in der vergangenen Saison 21 Scorerpunkte in 47 Spielen für Hudiksvalls. Cheftrainer Christof Kreutzer lobt ihn als „hervorragend ausgebildeten Eishockeyspieler mit sehr hoher läuferischer Qualität."

Aber darum geht es nicht. Es geht um die Frage, was dieser Transfer über das Vertrauen in den deutschen Nachwuchs sagt. Die Antwort ist eindeutig: Man traut einem 25-jährigen Schweden aus der dritten Liga mehr zu als einem deutschen Verteidiger, der in den Nachwuchsleistungszentren ausgebildet wurde und damit er keinen Importplatz belastet, bekommt er den Pass.

Das ist die Logik, die das deutsche Eishockey seit Jahren zerstört und es ist dieselbe Logik, gegen die der DEB mit seinen zehn Säulen und seiner neuen Vereinsbetreuung ankämpfen will – ohne sie jemals beim Namen zu nennen.

Die Fragen, die niemand beantwortet

Wir stellen diese Fragen nicht zum ersten Mal, wir stellen sie zum hundertsten Mal und die Antwort bleibt dieselbe: Schweigen!

Warum kein Punktesystem wie in Österreich? In der Alps Hockey League und der ICEHL gilt: Jeder Klub hat ein Punktebudget für Legionäre. Ein vollwertiger Ausländer kostet vier Punkte, ein U22-Ausländer zwei, ein U20-Spieler einen. Wer auf Jugend setzt, hat mehr Spielraum. Wer auf fertige Imports setzt, zahlt den vollen Preis. Ein Spieler mit zwei Pässen zählt nur dann als Inländer, wenn er für das jeweilige Nationalteam spielberechtigt ist – der Pass allein reicht nicht. Dieses System kostet kein Geld. Es braucht nur Mut, es einzuführen.

Warum keine Belohnung für Vereine, die U18- oder U19-Spieler einsetzen? In der KHL gibt es die sogenannte „Designated Junior"-Regel: Zwei zusätzliche, optionale Kaderplätze pro Spiel, die ausschließlich für Junioren reserviert sind. Sie belasten das reguläre Budget nicht. Wer einen Designated Junior in mindestens 30 Prozent der Saisonspiele einsetzt, wird zusätzlich belohnt. Das kostet kein Geld. Es braucht nur den Willen, Nachwuchseinsatz zu honorieren.

Warum kein klares Signal zur Reduzierung der Importstellen? Seit 2016 – zehn Jahre – hat die DEL die Ausländerregelung nicht grundlegend verändert. Die Strategie „DEB 2034" erwähnt keine direkten Anpassungen. Die zehn Säulen schweigen dazu. Stattdessen wird das System durch Einbürgerungen de facto aufgeweicht: Wer einen ausländischen Spieler einbürgert, schafft einen neuen freien Importplatz. Der eingebürgerte Spieler konkurriert nun auf dem freien Markt mit deutschen Spielern – und wird teurer, weil er kein Kontingent mehr belastet.

Die Nanny und das brennende Haus

Der DEB betreut seine Vereine jetzt regional, kürzere Reisewege, mehr Vor-Ort-Termine. Ein Fokus auf die Weiterentwicklung des Sterneprogramms ab 2027/2028.

Das ist, als würde man das Interieur eines Hauses neu streichen, während nebenan die Fassade brennt.

Die Vereine brauchen keine Nanny. Sie brauchen klare Regeln, die ihnen einen Anreiz geben, in deutschen Nachwuchs zu investieren, statt ihn durch Einbürgerungen zu umgehen. Sie brauchen ein System, das Jugendförderung belohnt und nicht bestraft. Sie brauchen einen Verband, der ihnen sagt: Wer einen U19-Spieler regelmäßig einsetzt, bekommt einen Vorteil. Wer einen Spieler aus der dritten schwedischen Liga einbürgert, um einen Kaderplatz zu füllen, zahlt einen Preis.

Stattdessen bekommt man Vereinsbetreuer mit kürzeren Reisewegen - und Brännstam bekommt den deutschen Pass.

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