Es gibt Momente, in denen ein Sport nicht mehr an einem einzelnen Ergebnis scheitert, sondern an seiner eigenen Selbstbeschreibung. Das deutsche Eishockey steht an so einem Punkt. Man kann die schwankenden Nachwuchsresultate, verpasste Ziele der Nationalmannschaft und die Dauerkrise um U23-Regel, Imports, Einbürgerungen und Ligamodi jeweils einzeln erklären. Jahrgänge, Verletzungen, Absagen, Tagesform, Turnierverlauf, aber irgendwann wird aus vielen Einzelerklärungen kein Entlastungsmaterial mehr, sondern ein Kompetenzbefund.

Dieses Muster ist nicht neu. Es ist nur lauter geworden und es bekommt jetzt einen neuen Anstrich: „DEB 2034“, zehn Säulen, neue Vision, bekannte Leute. “Die Säulen der Akropolis stehen auch noch – angewittert, leicht schief, aber man ist stolz auf sie.”

Die Zahlen, die man nicht wegdiskutieren kann

Die Ergebnislage ist eindeutig. Die A-Nationalmannschaft verpasste 2025 als Neunter und 2026 als Zehnter jeweils das Viertelfinale – zwei Turniere, null Viertelfinals. Die U20 steht nach drei WM-Turnieren in Serie in der Relegation. 2024 der Klassenerhalt in der Abstiegsrunde, 2025 wieder Relegation, 2026 wieder Relegation – drei Turniere, drei Relegationen. Die U18 verlor ihr Relegationsspiel gegen Norwegen und steigt erstmals seit Jahren aus der Top-Division ab. Ab 2027 spielt sie in Division IA.

Das sind keine isolierten Ausrutscher mehr. Das ist ein roter Faden, der sich durch ein Jahrzehnt zieht! Genau in diesem Moment präsentiert der DEB auf seiner Mitgliederversammlung in Ingolstadt die neue Strategie „DEB 2034" mit zehn Säulen - Man muss die Chuzpe erst einmal aufbringen.

Soll man jetzt ernsthaft glauben, all das sei nicht absehbar gewesen? Wer jahrelang dieselben Strukturen verteidigt, dieselben Ausreden wiederholt und jede echte Reform vertagt, kann am Ende nicht so tun, als sei das Ergebnis vom Himmel gefallen. Die Frage ist nicht mehr, ob man es hätte wissen können. Die Frage ist, wen diese Leute eigentlich noch überzeugen wollen!?

Powerplay 2026 und 5-Sterne: Was haben zehn Jahre gebracht?

Bevor man die neuen zehn Säulen der Akropolis feiert, lohnt ein Blick zurück. Was haben zehn Jahre „Powerplay 2026“ und das hochgelobte „5-Sterne-Programm“ eigentlich bewirkt? Ganz ehrlich: Die Bilanz ist mehr als ernüchternd!

Das 5-Sterne-Programm zertifiziert fleißig Nachwuchsarbeit und verteilt Sternchen an Clubs, die bestimmte Kriterien erfüllen. Sterne für Strukturen, Sterne für Konzepte, Sterne für Vollzeittrainer im U11-Bereich – fünf Sterne, wie aus dem Dschungelcamp. Aufgabe bewältigt, Stern verdient, weiter geht’s, nur dass im Dschungelcamp am Ende wenigstens jemand Königin oder König wird! Im deutschen Eishockey steigt die U18 ab und wenn Stammvereine großer DEL-Clubs in der Bewertung abrutschen, heißt es, das sei eine Herausforderung, die man strategisch adressieren müsse. Das 5-Sterne-Programm hat vor allem eines bewirkt: Es hat den Mangel verwaltet und zertifiziert. Sterne auf dem Papier ersetzen keine Ausbildungskultur auf dem Eis!

“Powerplay 2026" versprach nachhaltige Nachwuchsverbesserung, gesteigerte Nationalmannschaftsleistungen und wirtschaftliche Konsolidierung. Und ja, die A-Nationalmannschaft kletterte zwischenzeitlich in der Weltrangliste für den Vize-Weltmeistertitel 2023. Der eigentliche Test der Konstanz – Viertelfinale, Halbfinale, Medaille – wird seit Jahren nicht bestanden. Die U20 stand dreimal in Folge in der Relegation. Die U18 stieg ab. Das ist die Bilanz nach zehn Jahren Powerplay und jetzt kommen zehn neue Säulen.

Das Echo, das keiner hören will

Als Moritz Müller die U23-Regel kritisierte, klang das für manche wie ein neuer Aufschrei. In Wahrheit war es ein Echo. Frank Gentges und Lance Nethery haben vor Jahren bereits sehr ähnliche Kritik formuliert, nur direkter und weniger diplomatisch. Müller sagt im Interview den entscheidenden Satz: Im deutschen Eishockey wird nicht diskutiert. Genau diese Beobachtung ist der Ausgangspunkt. Wenn nicht diskutiert wird, bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder sitzen dort Leute, die Wahrheiten verdrängen und Probleme deshalb nicht ansprechen, oder sie sind fachlich schlicht nicht in der Lage, diese Probleme zu erkennen und zu lösen - Beides führt zum selben Befund!

Die U23-Regel ist dafür das perfekte Symbol. Sie soll Entwicklung erzwingen, ersetzt aber kein Entwicklungssystem. Ein junger Spieler wird nicht besser, weil er auf dem Spielberichtsbogen steht. Er wird besser, wenn er trainiert, spielt, Fehler machen darf, Verantwortung bekommt und von Trainern begleitet wird, die Entwicklung nicht als Risiko, sondern als Auftrag verstehen. Wenn eine Regel vor allem Kaderplätze verwaltet, entsteht keine Förderung, dann entsteht Statistik.

Was macht eigentlich die neue Säule „Ligen & Spielbetrieb“ daraus? Sie will den „Anteil in Deutschland ausgebildeter Spieler auf Spielberichtsbogen erhöhen“. Das ist nicht dasselbe wie die U23-Regel – Ausbildungsherkunft statt Altersquote ist zumindest ein anderer Ansatz. Aber die Logik dahinter bleibt dieselbe: Man misst Anwesenheit, nicht Entwicklung. Ein Spieler, der in Deutschland ausgebildet wurde, wird nicht besser, weil er auf mehr Spielberichtsbogen steht. Er wird besser, wenn er spielt, Verantwortung bekommt und von Trainern gefördert wird, die Entwicklung als Auftrag begreifen. Solange das fehlt, ist auch diese Kennzahl vor allem eines: verwaltete Hoffnung.

Die Oberliga-Farce: Erst erhöhen, dann als Förderliga verkaufen

Hier muss man kurz innehalten, denn die neue Säule „Ligen & Spielbetrieb" sieht die Oberliga künftig als Förderliga – ein gemeinsames Konzept soll bis 2028 mit den Clubs erarbeitet werden. Klingt gut. Wäre gut. Wenn man nicht wüsste, was in den letzten drei bis vier Jahren in genau dieser Liga passiert ist!

Vor geraumer Zeit hatte man erst die Importstellen in der Oberliga erhöht. Drei Kontingentspieler pro Team wurden erlaubt – und als die Clubs dagegen protestierten, dass man auf zwei reduzieren wollte, hat man nachgegeben und die drei Importspieler gegen eine Ausgleichszahlung von 5.000 Euro behalten. Gleichzeitig sind Doppelflaggen-Spieler – also Spieler mit zwei Staatsbürgerschaften, die formal nicht als Imports zählen, aber auch keine echten deutschen Ausbildungsprodukte sind – in der Oberliga massenhaft vertreten. Wie viele dieser Spieler wirklich in Deutschland ausgebildet wurden? Die Frage stellt sich der DEB offenbar erst jetzt.

Man hat also in der dritten Liga, die man selbst als „professionelle Liga mit größtmöglichem Ausbildungscharakter" bezeichnet, den Importdruck erhöht, Doppelstaatler als Lückenbüßer toleriert und gleichzeitig das 5-Sterne-Programm als Pflichtprogramm eingeführt – und jetzt, nach Jahren dieser Politik, fällt es den Verantwortlichen ein, die Oberliga zur Förderliga umzubauen. Was zum Henker hat man die ganze Zeit gemacht!?

Das ist keine Weiterentwicklung. Das ist eine Kurskorrektur, die eingesteht, dass der bisherige Kurs falsch war, nur sagt das wie immer niemand direkt so.

Marcel Brandt, Dominik Bokk, Alexander Blank

Dann kommen die kleinen, aber bezeichnenden Kadergeschichten, die das Gesamtbild vervollständigen. Marcel Brandt, ein deutscher Verteidiger mit 42 Punkten in 51 DEL-Hauptrundenspielen, erklärte seinen Rücktritt aus dem Nationalteam nach einer von ihm wiedergegebenen Kreis-Aussage, man habe ihn jahrelang kaum beachtet. Dominik Bokk wurde kurz vor der WM für Lukas Reichel gestrichen, nach Daniel Fischbuchs Ausfall wurde er nicht zurückgeholt. Alexander Blank lieferte 47 Hauptrundenpunkte und es reichte trotzdem nicht.

Das sind keine Randbemerkungen, das sind Symptome! Wenn Spieler mit diesen Leistungsdaten entweder ignoriert werden oder sich zurückziehen, weil sie sich jahrelang nicht gesehen fühlen, beschreibt das kein Pech. Das beschreibt ein System, das seine besten verfügbaren deutschen Spieler nicht konsequent einbindet! Das Resultat wissen wir, Nachwuchsteams verschwinden in der Relegation und die Nationalmannschaft träumt mittlerweile nur noch vom Viertelfinale.

Es kostet kein Geld – und trotzdem passiert es nicht

Hier wird es wirklich ärgerlich. Es gibt Maßnahmen, die nachweislich funktionieren, die andere Länder längst umsetzen und die keinen einzigen Euro zusätzlich kosten - Sie kosten nur Entscheidungskraft!

Österreich hat in seiner Alps Hockey League ein konkretes Punktesystem entwickelt, das genau das Problem adressiert, über das der DEB seit Jahren redet. Jedem Club stehen pro Saison 16 Punkte für Legionäre zur Verfügung. Ein vollwertiger Ausländer kostet 4 Punkte, ein U22-Ausländer nur 2 Punkte und ein U20-Spieler lediglich 1 Punkt. Das ist der entscheidende Mechanismus: Jüngere ausländische Spieler werden günstiger gerechnet, weil sie Entwicklungspotenzial mitbringen. Wer also vier fertige Ausländer über 22 verpflichtet, hat sein Budget aufgebraucht. Wer stattdessen auf junge Talente setzt, bekommt mehr Spielraum. Hier kommt der springende Punkt und das hüpfende Komma: Doppelstaatler – Spieler mit zwei Pässen – werden in diesem System nicht einfach als Inländer durchgewunken. Wer für das jeweilige Nationalteam spielberechtigt ist, gilt als Domestic Player. Wer es nicht ist, zählt als Legionär und belastet das Punktebudget. Der Pass allein reicht nicht, die Spielberechtigung zählt. Das ist der Unterschied zwischen einem System, das Ausbildung schützt und einem System das Bilanzkosmetik betreibt.

In der ICEHL (der höchsten österreichischen Liga) wurde das Punktesystem zwar durch eine Kaderregel ersetzt – maximal zehn Legionäre auf dem Spielbericht, mindestens zwölf Domestic Players, davon zwei U24-Pflicht. Auch das ist ein klares Bekenntnis: Einheimische U24-Spieler sind vom Kaderlimit ausgenommen und unbegrenzt einsetzbar. Wer junge Spieler entwickeln will, wird dafür nicht bestraft. Wer stattdessen auf fertige Imports setzt, zahlt den Preis über das begrenzte Kontingent.

Die KHL in Russland hat ein anderes, aber wirksames Werkzeug entwickelt. “Wenn man als DEB das nicht weiß, vielleicht einfach den Hörer mal in die Hand nehmen, denn Andrei Trefilov hat zum Beispiel seine Agentur in Düsseldorf.”

Die KHL setzt ebenfalls auf ihren Nachwuchs und hat die sogenannte „Designated Junior“-Regel eingeführt. Jedes KHL-Team erhält pro Spiel zwei zusätzliche, optionale Kaderplätze – ausschließlich für junge Spieler. Einer darf bis zu 20 Jahre alt sein, einer bis zu 19. Diese Plätze belasten das reguläre Kaderbudget nicht. Der Anreiz ist klar: Wer junge Spieler einsetzt, bekommt mehr Flexibilität und wer einen Designated Junior in mindestens 30 Prozent der Saisonspiele eingesetzt hat und diesen dann für die U20-Nationalmannschaft abstellt, darf den freigewordenen Platz übergangsweise mit einem Spieler beliebigen Alters besetzen – eine direkte Belohnung für den Einsatz junger Spieler. Torhüter sind von der Designated-Junior-Regel ausgenommen, können aber seit 2021 als dritter „Reserve“-Torhüter im Kader stehen – eine Möglichkeit, jungen Torhütern Umfeld und Atmosphäre auf höchstem Niveau zu geben, ohne sie ins kalte Wasser zu werfen.

Das kostet keine zusätzlichen Mittel. Es verschiebt nur Anreize – weg vom kurzfristigen Ergebnisdenken, hin zur Entwicklung. Warum ist das in Deutschland undenkbar? Warum findet sich das in keiner der zehn Säulen?

Wenn man wirklich wollte, könnte man längst handeln! Diese Maßnahmen kosten kein Geld. Sie kosten nur den Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen, die bestehende Interessen berühren und genau das ist das Problem: Wer immer nur Kompromisse verwaltet, baut keine Strukturen, er verwaltet den Status quo mit neuen Folien!

Das Niveauargument

Dann kommt die Standardantwort: Wenn man die Importstellen reduziert, wird die Liga schlechter. Diese Sorge kann man ernst nehmen, aber als Erklärung ist sie zu bequem. Schweden und Tschechien zeigen, dass Kaderpolitik nie isoliert funktioniert, sondern immer Teil einer Hockeykultur sein muss: Nachwuchs, Rollen, Trainer, Ligaidentität, Nationalteam.

Wenn Imports also die große Niveauversicherung sein sollen, muss man die Gegenfrage aushalten: Wo ist dann der europäische Ertrag? In der CHL schieden 2023/24 alle drei DEL-Klubs im Achtelfinale aus. 2024/25 standen mit Berlin und Bremerhaven zwar zwei deutsche Teams im Viertelfinale, beide scheiterten dort aber an Schweizer Klubs, seit Münchens Halbfinale 2021/22 hat kein DEL-Team mehr ein CHL-Halbfinale erreicht.

Das beweist nicht, dass Imports das Problem verursachen, aber es widerlegt die Erzählung, dass viele Imports automatisch hohes internationales Niveau bedeuten. Wer neun Importspieler braucht, um das Niveau zu halten, sollte nicht so tun, als löse eine U23-Regel nebenbei das Nachwuchsproblem.

Der Pass als Bilanzkosmetik – und warum er das Problem verschärft

Noch komplizierter wird diese Logik durch das neue Einbürgerungsrecht. Wenn der Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft kürzer wird, verändert das auch die Kaderökonomie im Eishockey.

Hier kommt der Mechanismus, den die Befürworter gerne ausblenden: Ein Import, der einen deutschen Pass bekommt, fällt nicht mehr ins Kontingent. Er wird dadurch für den Klub teurer – denn er belegt keinen Importplatz mehr, was seinen Marktwert steigert und der Klub kann gleichzeitig den freigewordenen Importplatz mit einem neuen ausländischen Spieler besetzen. Claudio Preto von den Jungadlern Mannheim hat das klar formuliert: „Für jeden ausländischen Spieler eines DEL-Klubs, der die deutsche Staatsangehörigkeit annimmt, haben sie wieder einen Platz für ausländische Spieler frei, die sie neu besetzen werden.“ Das Ergebnis: Mehr Importspieler insgesamt, mehr Druck auf echte deutsche Nachwuchsspieler und ein Passspieler, der auf dem Markt teurer gehandelt wird, weil er das Kontingent nicht belastet. Der deutsche Pass löst das Importproblem also nicht – er verschiebt es und macht es unsichtbarer.

Das ist kein Naturgesetz, das ist eine Entscheidung. Wer behauptet, deutsche Spieler seien zu teuer, während er zugleich das System der Passspieler immer attraktiver macht, baut keine Ausbildungskultur. Er baut ein System, das Bilanzkosmetik belohnt und echte Entwicklung bestraft!

Die Trainerfrage: Ausbildung ohne Vertrauen ins eigene System

Der DEB bildet Trainer aus. Es gibt Trainerscheine, Trainerlehrgänge, Lizenzprogramme auf verschiedenen Stufen. Das System existiert und trotzdem: Für die DEL-Saison 2025/26 sind von 14 Cheftrainern gerade einmal zwei echte Deutsche – Alexander Sulzer in Bremerhaven und Thomas Popiesch, der mit den Krefeld Pinguinen den Aufstieg in die DEL schaffte. Der Rest kommt aus dem internationalen Trainermarkt. In Schweden stehen 13 schwedische Cheftrainer an 14 SHL-Banden, ähnlich verhält es sich in der Extraliga in Tschechien.

Das ist die eigentliche Aussage dieser Zahlen: Wenn am Ende kein einheimischer Trainer in der höchsten Liga ankommt, glaubt das System selbst nicht an seine eigene Ausbildung! Man kann Lehrgangsstunden zählen, Lizenzstufen stapeln und Zertifikate ausstellen – aber wenn die Klubs der DEL trotzdem lieber im Ausland einkaufen, sagen sie damit klar: Wir trauen dem deutschen Trainerprodukt nicht. Das ist kein Vorwurf an einzelne Trainer. Das ist ein strukturelles Bekenntnis und es macht jeden Lehrgang, jeden Trainerschein und jede neue Säule zur Farce, solange dieses Vertrauen fehlt.

Jetzt will die neue Säule „Trainerentwicklung“ bis 2034 erreichen, dass ausschließlich in Deutschland ausgebildete oder mit deutscher Trainerlizenz ausgestattete Cheftrainer in DEL, DEL2 und Oberliga tätig sind. Aber eine deutsche Trainerlizenz kann jeder Ausländer erwerben. Die Säule löst das Vertrauensproblem nicht – sie verwaltet es mit einem Stempel!

Als ob das nicht genügte: Die DEB-Nationalmannschaft hat sich für den Videocoach-Bereich externe Unterstützung aus dem NHL-Umfeld der Florida Panthers geholt. Videoanalyse auf NHL-Niveau für ein Team, das im Viertelfinale scheitert. “Deutsche können offenbar keine Videos schneiden.” Die Ironie schreibt sich von selbst.

Junge Spieler brauchen nicht nur Kaderplätze. Sie brauchen Trainer, die ihre Entwicklung als Teil des Jobs begreifen – und nicht nur das nächste Wochenende. Und diese Trainer müssen irgendwann auch oben ankommen dürfen. Solange das nicht passiert, ist jede Trainerausbildung ein Selbstzweck.

Der Modus muss einfacher sein – das steht in keiner Säule

Dasselbe Denken zeigt sich nicht nur im Kaderbau, sondern auch im Wettbewerb selbst. Fußball ist nicht deshalb stark, weil er simpel wäre. Dennoch ist der Wettbewerb für fast jeden sofort erklärbar: oben Titel, unten Abstieg oder Rettung. Eishockey müsste genauso einfach zu verstehen sein. Ist es das, wenn jede Liga anders spielt? Nein.

Die DEL spielt Pre-Playoffs der Plätze sieben bis zehn, Playoffs und keine Playdowns. Die DEL2 spielt Pre-Playoffs, Playoffs und Playdowns, mit gewichteter Siegpflicht im Tabellenkeller. Die Oberliga setzt noch einen drauf: Nord und Süd spielen unterschiedliche Wege Richtung Playoffs – der Norden mit einer Zwischenrunde, in der die Punkte aus der Hauptrunde übernommen werden, der Süden normal mit Pre-playoffs. Jede Liga hat ihren eigenen Modus, jede Liga braucht eine eigene Erklärung und jedes Jahr wird das Regelwerk neu justiert.

Man kann jede Besonderheit begründen. Teamzahlen, Reisen, Hallen, Tradition, aber genau das ist das Problem: Wer immer erst fünf Ausnahmen erklären muss, hat keinen einfachen Wettbewerb mehr. Eine Sportart, die wachsen will, darf nicht jedes Jahr wie ein Regelordner wirken und was findet sich in den zehn Säulen von DEB 2034 zu diesem Thema? Die Säule „Ligen & Spielbetrieb" verspricht, den Anteil ausgebildeter Spieler auf Spielberichtsbogen zu erhöhen. Über einen einheitlichen, verständlichen Modus über alle Ligen hinweg - kein Wort!

Olympia 2026: Gleiche Spielweise, kein Aufbau, kein Plan

Olympia in Mailand war kurz gefasst: Die bestbesetzte deutsche Mannschaft der Geschichte trat an, spielte jedes Spiel gleich – riskante Pässe, Alleingänge, Puckverluste, Konter – und schied im Viertelfinale mit 2:6 gegen die Slowakei aus. Kein Aufbau von Spiel zu Spiel. Keine Entwicklung. Moritz Müller: „Wir haben nie so richtig zu unserer Team-Identität gefunden.“ Nico Sturm: „Das, was uns immer stark macht, die defensive Struktur, das System, das ist uns abhanden gekommen.“

Das war Olympia 2026, aber Olympia ist nicht das eigentliche Thema (es passt nur wie die Faust aufs Auge zu diesem ganzen Dilemma). Das eigentliche Thema sind die Zahlen, die kein Ausrutscher bzw. Turnierpech waren – und die in der folgenden Grafik stehen.

Der fehlende gemeinsame Kompass

Wenn Liga und Verband die Nationalmannschaft nicht als gemeinsamen Motor begreifen, sondern als getrennte Welt, verliert das deutsche Eishockey seinen sichtbarsten Kompass. Die Nationalmannschaft ist nicht alles, aber sie ist der öffentlichste Beweis dafür, ob ein System funktioniert. Wenn Nachwuchs, Imports, Einbürgerungen, Trainerentwicklung, Spielmodi und Ligainteressen nicht auf ein gemeinsames Ziel einzahlen, bleibt am Ende nur ein Flickenteppich.

Es gibt sportliche Fachleute im System. Mit Korbinian Holzer, der beim DEB ab Juli 2026 als U20-Teamchef sowie Berater für Sportentwicklung einsteigt, macht der Verband zumindest einen Anfang. Auch Nico Pyka steht für die Art von Erfahrung, die das deutsche Eishockey nun endlich stärker einbindet, aber diese Kompetenz darf nicht nur punktuell, befristet oder beratend auftauchen. Sie muss in den Strukturen Entscheidungsmacht bekommen. Sportliche Fachleute dürfen nicht nur Zuarbeiter oder schmückende Beiräte sein. Sie müssen das sportliche Projekt führen dürfen.

Es geht um die Frage, ob deutsches Eishockey endlich bereit ist, sich selbst als sportliches Projekt zu begreifen – und nicht als Ansammlung von Einzelinteressen, halbherzigen Kompromissen und nachträglichen Erklärungen.

Der Pass allein ist nicht das Problem. Der Modus allein ist nicht das Problem. Der Pass ist Teil des Problems, wenn er Ausbildung ersetzt. Der Modus ist Teil des Problems, wenn er keine klare Sprache spricht. Die Oberliga ist Teil des Problems, wenn man dort erst die Importstellen erhöht, Doppelstaatler als Lückenbüßer toleriert und sie dann Jahre später zur Förderliga erklärt, als wäre das eine neue Idee und die zehn Säulen von DEB 2034 sind Teil des Problems, wenn sie dieselben Fragen stellen wie Powerplay 2026 – und dieselben Antworten vermeiden.

Eine Quotenregelung nach österreichischem Vorbild? Kein Geld nötig, kein Wille vorhanden. Eine Belohnung für den Einsatz von U18- und U19-Spielern wie in der KHL? Kein Geld nötig, kein Wille vorhanden. Ein einheitlicher, verständlicher Spielmodus über alle Ligen hinweg? Kein Geld nötig, kein Wille vorhanden. Es wird seit Jahren gewartet, es wird geredet, es wird erklärt, es wird verwaltet, nur geändert wird zu wenig! Keine zehn neuen Säulen werden dieses Fundament stabilisieren, solange der Wille zur echten Veränderung fehlt!

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