Detroit ist nicht mehr schlecht genug für Geduld – aber noch nicht gut genug für Sicherheit
Die Detroit Red Wings sind im Frühjahr 2026 an einem Punkt angekommen, an dem sich die üblichen Erklärungen für den ausbleibenden Durchbruch abnutzen. Ja der Kader ist besser als noch vor wenigen Jahren. Ja der Talentpool ist deutlich gesünder als zu Beginn von Steve Yzermans Amtszeit. Und ja, 92 Punkte sowie ein starker Winter sind kein Beleg für Stillstand. Aber all das ändert nichts an der eigentlichen Wahrheit! Detroit hat die Playoffs zum zehnten Mal in Folge verpasst, obwohl das Team Ende Januar noch wie ein legitimer Teilnehmer am Rennen um die Postseason wirkte. Genau deshalb fühlt sich die Saison 2025/26 nicht wie ein normaler Zwischenschritt an, sondern wie eine unangenehme Zwischenabrechnung.
Das eigentliche Problem ist das Muster
Der Kern des Problems ist nicht allein das Verpassen der Playoffs, sondern die Art, wie es wieder passiert ist. Laut einem aktuellen Bericht aus Detroit verloren die Red Wings 16 ihrer letzten 24 Spiele und fielen nach der Olympia-Pause deutlich zurück. NHL.com beschreibt denselben Einbruch aus einer anderen Perspektive - Am 24. Januar stand Detroit bei 32-16-5 und 69 Punkten, ehe der Club nur noch 9-15-5 ging und am Ende sieben Punkte hinter einem Wildcard-Platz landete. Wenn ein Team drei Jahre hintereinander in der entscheidenden Saisonphase auseinanderfällt, darf man nicht mehr von Pech sprechen. Dann wird aus einem Trend ein Muster.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Red Wings keineswegs ohne Fundament dastehen. Dylan Larkin, Lucas Raymond, Moritz Seider und Alex DeBrincat bilden einen Kern, mit dem sich arbeiten lässt. Patrick Kane war, trotz seines Alters im Saisonendspurt noch einmal produktiv und äußerte offen, dass ein gegenseitiges Interesse an einer Fortsetzung in Detroit bestehe. Diese Aussagen sind wichtig, weil sie zeigen, dass das Team intern nicht als hoffnungsloser Fall betrachtet wird. Kane sagte sogar, Detroit sei besser als manche Mannschaften die nun in den Playoffs spielen. Solche Sätze können als Floskel abgetan werden, in diesem Fall sagen sie aber etwas Reales aus! Der Abstand zwischen den Red Wings und einem echten Playoff-Team ist klein genug, um verführerisch zu wirken – und groß genug, um weiter frustrierend zu bleiben.
“I’d love to be part of the solution that gets this team over the hump. We have a good team here, and we can win. I think this team is better than some teams that are in the playoffs.” — Patrick Kane
Ein guter Kern, aber noch kein kompletter Kader
Trotzdem bleibt der Verdacht bestehen, dass Detroit in seiner jetzigen Form zu viele anständige Spieler und zu wenige entscheidende Spieler besitzt. Der Club hat in den vergangenen Jahren immer wieder versucht gewisse Lücken mit Veteranen, Übergangslösungen und vernünftigen, aber begrenzten Verpflichtungen zu schließen. Das ist nachvollziehbar, solange ein Rebuild noch am Anfang steht. Im Jahr 2026 reicht diese Logik jedoch nicht mehr. Wer Ende Januar ganz oben mitspielt und im April erneut zusieht, muss sich fragen ob die Mannschaft nicht schlicht zu wenig belastbares Fünf-gegen-Fünf-Scoring, zu wenig Tiefe im Zentrum und zu wenig Verlässlichkeit in den unteren Reihen besitzt. WDET fasst diese Kritik indirekt zusammen, wenn Helene St. James auf die ungeklärte Frage nach einem starken Center für die zweite Reihe verweist und einen Umbruch in Teilen der Bottom Six nahelegt.
Hier liegt der vielleicht heikelste Punkt für Yzerman. Seine Arbeit lässt sich nicht mehr ehrlich mit den chaotischen Spätphasen des alten Kaders vergleichen, dafür ist die Organisation inzwischen zu weit. Der Talentnachschub ist da, die Infrastruktur der Franchise wirkt gesünder, und die Mannschaft hat objektiv Fortschritte gemacht. Zugleich hat Yzerman sich damit selbst aus dem Schonraum manövriert. Fortschritt allein ist kein Schutzschild mehr, wenn die entscheidenden Probleme saisonübergreifend dieselben bleiben. WDET hält fest, dass 92 Punkte zwar die beste Ausbeute in Yzermans sieben Jahren als General Manager darstellen, stellt aber ebenso die Frage nach jenen Personalentscheidungen, die nicht funktioniert haben. Genau diese Ambivalenz beschreibt die Lage präzise: Der Rebuild ist nicht gescheitert, aber er ist in eine Phase eingetreten in der Ausreden teurer werden.
Der Sommer 2026 verlangt Klarheit
Deshalb ist die wichtigste Frage dieses Sommers nicht, ob Detroit etwas tun muss. Die Frage lautet vielmehr, welche Art von Klarheit Steve Yzerman schaffen will. Ein konservativer Sommer mit kleineren Korrekturen, etwas Kaderpflege und der Hoffnung auf organische Entwicklung wäre der bequemste Weg. Er wäre aber vermutlich auch der gefährlichste. Denn noch ein Jahr in dem Detroit halb auf interne Entwicklung und halb auf provisorische Veteranenlösungen setzt, könnte den Club erneut genau dorthin führen, wo er jetzt steht - in die sportliche Grauzone zwischen echtem Aufbruch und erneuter Enttäuschung.
Die Alternative ist mutiger, aber ehrlicher. Detroit könnte offensiv aggressiver denken, gezielt nach einem echten Unterschiedsspieler für die Top Six suchen und gleichzeitig aufhören, die unteren Kaderplätze mit Spielern zu blockieren, die den Kurs nicht spürbar verändern. Ebenso denkbar wäre ein klarerer Entwicklungspfad für die nächste Welle an NHL-nahen Talenten. Der Punkt ist nicht, dass jeder Prospect sofort bereit wäre. Der Punkt ist, dass die Franchise inzwischen entscheiden muss, wer Teil der Lösung sein soll und wer nur Teil der Übergangsphase war. Gerade in Organisationen die lange im Rebuild leben, ist diese Unterscheidung oft schwieriger als der ursprüngliche Wiederaufbau.
“He’s tried to find somebody to be great on that second line center spot, and they haven’t found it.” — Helene St. James über Steve Yzermans zentrale Baustelle
Wo auch Trainer und Kabine in der Pflicht sind
Auch Todd McLellan und die Führungsgruppe in der Kabine stehen dabei unter Druck, doch die übergeordnete Verantwortung bleibt beim Front Office. Trainer können taktisch korrigieren, Spieler können reifer werden und ein gesünderer Saisonverlauf kann helfen. Aber wenn ein Team wiederholt dieselben Schwächen zeigt, liegt das am Ende meist auch an der Konstruktion des Kaders. Dass Larkins Verletzungsprobleme nach der Olympia-Pause ein Faktor waren, ist plausibel und durch NHL.com gut dokumentiert. Es erklärt allerdings nicht alles! Ein Playoff-Team muss so gebaut sein, dass es auch dann nicht vollständig auseinanderfällt, wenn einer seiner wichtigsten Spieler angeschlagen ist.
Für einen Substack-Leser lässt sich Detroits Lage deshalb in einem Satz zusammenfassen: Die Red Wings sind näher an Relevanz als an Beliebigkeit, aber sie sind näher an der nächsten Enttäuschung, als ihr Talent es zulassen sollte. Genau das macht die Offseason 2026 so interessant. Sie ist kein gewöhnlicher Sommer eines aufstrebenden Teams mehr. Sie ist die erste echte Prüfung, ob der Club den Übergang von der geduldigen Aufbaugeschichte zur belastbaren Gewinnerzählung schaffen kann.
Fazit
Der Sommer 2026 muss für Detroit deshalb weniger ein Sommer der Hoffnung als ein Sommer der Entscheidung sein. Wenn Yzerman weiterhin an diesen Kern glaubt, dann muss er ihn konsequenter schützen und ergänzen. Wenn er stärker auf die Jugend setzen will, dann muss er den Mut haben den Kader tatsächlich dafür zu öffnen. Was nicht mehr funktionieren dürfte, ist die Fortsetzung des Dazwischen. Denn genau dort haben die Red Wings inzwischen ihren Stammplatz gefunden – und genau dort müssen sie endlich heraus!




