Die Canadiens meistern Spiel 7 mit brutaler Effizienz
Jetzt kommt Buffalo
Es gibt Spiele die man gewinnt, weil man das bessere Team ist. Es gibt Spiele die man gewinnt, weil man einen Torhüter hat, der beschließt das heute kein Puck an ihm vorbeigeht. Spiel 7 der Erstrundenserie zwischen den Montreal Canadiens und den Tampa Bay Lightning in den NHL Playoffs 2026 war definitiv Letzteres.
Mit einem 2:1-Sieg haben die Canadiens die Lightning aus den Playoffs geworfen und die Serie mit 4:3 für sich entschieden. Es war ein Spiel das in die Geschichtsbücher eingehen wird – nicht wegen offensiver Brillanz, sondern wegen einer defensiven Meisterleistung und einer beispiellosen Effizienz.
Die Anatomie eines Diebstahls
Die Statistiken dieses Spiels lesen sich wie ein schlechter Scherz für jeden Tampa-Fan. Die Lightning dominierten das Spielgeschehen nach Belieben und feuerten 29 Schüsse auf das Tor der Canadiens ab. Montreal hingegen brachte über 60 Minuten lediglich 9 Schüsse auf das Tor von Andrei Vasilevskiy. Im zweiten Drittel verzeichneten die Canadiens sogar keinen einzigen Torschuss – eine unfassbare Schusspause von 26:55 Minuten!
Doch Eishockey wird nicht auf dem Papier entschieden!
Jakub Dobes, der 24-jährige Torhüter der Canadiens hielt 28 von 29 Schüssen und ließ lediglich Dominic James' Powerplay-Treffer im zweiten Drittel passieren. Seine Fangquote von 96,55 % in diesem Spiel war überragend und über die gesamte Serie gegen Tampa Bay hielt er einen Gegentorschnitt von 2,03 bei einer Fangquote von 0,923. Trainer Martin St. Louis brachte es nach dem Spiel auf den Punkt:
“Ich hatte das Gefühl, dass sie heute Abend etwas Besseres verdient hätten. Ich hatte das Gefühl, dass wir in Spiel 6 wahrscheinlich etwas Besseres verdient hätten und Dobes das Spiel gestohlen hat... Man braucht von allem ein bisschen und das haben wir in dieser Serie bekommen.”
Auf der anderen Seite zeigte sich die brutale Effizienz der jungen Canadiens-Truppe. Kapitän Nick Suzuki eröffnete das Scoring im ersten Drittel (18:39), nachdem Kaiden Guhle und Josh Anderson die Vorarbeit geleistet hatten. Tampa Bay glich im zweiten Drittel durch Dominic James im Powerplay aus. Den entscheidenden Siegtreffer erzielte Alex Newhook in der 11:07 Minute des dritten Drittels, assistiert von Lane Hutson und Kaiden Guhle. Zwei Tore aus neun Schüssen – eine Effizienz von 22,22 %, die in einem Spiel 7 fast schon unverschämt wirkt.
Newhook selbst beschrieb den Moment so:
“Ich denke, das ist ein großer Moment für eine junge Mannschaft. Es zeigt, wozu wir fähig sind und dass wir ein schwer zu schlagendes Team sind.”
Alle sieben Spiele dieser Serie wurden mit nur einem Tor Unterschied entschieden, vier davon gingen in die Verlängerung. Das Auswärtsteam gewann fünf der sieben Partien und die Canadiens gewannen drei ihrer vier Spiele in Tampa. Für die Lightning bedeutet diese Niederlage das vierte Erstrunden-Aus in Folge. Für Montreal hingegen ist es der erste Playoff-Seriensieg seit dem Stanley Cup Finale 2021.
Eine Mannschaft im Aufbruch
Dieser Sieg ist kein Zufall. Die Canadiens haben in der Saison 2025-26 eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Nick Suzuki erzielte in der regulären Saison 101 Punkte und wurde damit der erste Canadiens-Kapitän seit Mats Naslund in der Saison 1985-86, dem eine 100-Punkte-Saison gelang. Cole Caufield knackte die 50-Tore-Marke – der erste Canadien seit Stéphane Richer in der Saison 1989-90. Juraj Slafkovsky schrieb in Spiel 1 dieser Serie Geschichte, als er als erster Spieler der Canadiens überhaupt drei Powerplay-Tore in einem einzigen Playoff-Spiel erzielte. Verteidiger Lane Hutson, der amtierende Calder Trophy Gewinner verbuchte in der regulären Saison 78 Punkte – die zweithöchste Punktzahl eines Canadiens-Verteidigers in der Franchise-Geschichte.
Suzuki fasste die Stimmung nach dem Spiel treffend zusammen:
“Wir wussten, dass wir einfach reinkommen und dass in einem Spiel 7 alles passieren kann... Es war die ganze Zeit ein Schachspiel.”
Nächster Halt: Die "Maschinen" aus Buffalo
Die Feierlichkeiten in Montreal dürften jedoch nur kurz ausfallen, denn in der zweiten Runde wartet ein Gegner der in dieser Saison alles in den Schatten stellt - die Buffalo Sabres!
Nach 14 Jahren ohne Playoff-Teilnahme – der längsten Durststrecke in der NHL-Geschichte – sind die Sabres nicht nur zurück, sie sind eine Naturgewalt. Sie gewannen die Atlantic Division und schalteten in der ersten Runde die Boston Bruins in sechs Spielen aus. Es war ihr erster Seriensieg seit 2007. Torhüter Alex Lyon war in dieser Serie mit einer Fangquote von 0,955 und einem Gegentorschnitt von 1,14 überragend. Angeführt von Tage Thompson, Alex Tuch und Rasmus Dahlin spielen die Sabres ein intensives, schnelles und physisch dominantes Eishockey.
Die Canadiens kennen die Sabres gut. In der regulären Saison teilte man sich die Siege (je 2-2). Historisch gesehen trafen die beiden Teams siebenmal in den Playoffs aufeinander, wobei Montreal mit 4-3 Serien knapp die Nase vorn hat. Das letzte Aufeinandertreffen in der Postseason datiert jedoch aus dem Jahr 1998, als Buffalo die Canadiens sweepte.
Um gegen die “Maschinen” aus Buffalo zu bestehen, müssen die Canadiens mehr zeigen als in Spiel 7 gegen Tampa. Neun Schüsse werden gegen Buffalo nicht reichen. Die Sabres haben eine starke Defensive und werden Montreal nicht die gleichen Räume lassen. Caufield, Suzuki und Slafkovsky müssen Wege finden, den Puck häufiger aufs Tor zu bringen. Jakub Dobes wird auch gegen Buffalo über sich hinauswachsen müssen – er selbst bleibt bescheiden: “Oft während der Saison haben mich die Jungs gerettet. Sie haben mir immer den Rücken gestärkt und ich ihnen. Das ist unsere Mentalität.”
Die Serie gegen Buffalo wird ein echter Härtetest für diese junge Canadiens-Mannschaft. Wer ein Spiel 7 mit nur 9 Schüssen gewinnt, der hat bewiesen das er an Wunder glaubt. In den NHL Playoffs ist bekanntlich alles möglich!



