Die Odyssee ist vorbei: Jokerit Helsinki kehrt in die Liiga zurück
Es ist eine der bemerkenswertesten Geschichten im europäischen Eishockey der letzten Jahre. Nach einer beispiellosen Odyssee, die von geopolitischen Verwerfungen, sportlichen Neuanfängen und einem zähen Kampf um die eigene Identität geprägt war, steht fest: Jokerit Helsinki kehrt zur Saison 2026/27 offiziell in die höchste finnische Spielklasse, die Liiga zurück! Was sich über Monate andeutete wurde im Februar 2026 zur Gewissheit, als die Lizenzkommission der Liiga dem Traditionsverein grünes Licht gab. Damit endet ein Kapitel das den Club aus den Arenen der russisch dominierten KHL bis in die zweite finnische Liga und nun wieder zurück an die Spitze führte.
Das KHL-Kapitel: Ein teurer Ausflug
Um die Bedeutung dieser Rückkehr zu verstehen, muss man auf das Jahr 2014 zurückblicken. Damals wagte Jokerit als erstes nordisches Team den umstrittenen Schritt in die Kontinental Hockey League (KHL). Sportlich etablierte sich der Club schnell, erreichte in sieben von acht Spielzeiten die Playoffs und bewies seine Wettbewerbsfähigkeit auf internationalem Top-Niveau. Doch der Preis dafür war hoch. Die KHL war stets auch ein politisches Projekt und die geopolitische Realität holte den Verein im Februar 2022 mit voller Wucht ein.
Mit der russischen Invasion der Ukraine wurde die Fortsetzung des Spielbetriebs in einer von Russland geführten Liga untragbar. Unter massivem Druck von Sponsoren, Fans und der finnischen Öffentlichkeit zog sich Jokerit am 25. Februar 2022, noch vor Beginn der Playoffs aus der KHL zurück. Am 5. April 2022 folgte die offizielle und endgültige Austrittserklärung – das Ende einer Ära, die ebenso erfolgreich wie kontrovers war.
Der Kampf um die Heimat: Von der Hartwall zur Veikkaus Arena
Parallel zum sportlichen Drama spielte sich ein Wirtschaftskrimi um die Heimspielstätte des Clubs ab. Die traditionsreiche Hartwall Arena war 2013 an die russischen Oligarchen Gennadi Timtschenko und Roman Rotenberg verkauft worden. Nach der Invasion wurden die Eigentümer mit weitreichenden Sanktionen belegt, was zur Schließung der Arena im März 2022 führte. Für fast drei Jahre wurde die größte Veranstaltungshalle Finnlands zu einer Geisterhalle und Jokerit stand ohne Heimat da.
Die Wende kam erst Ende 2024, als eine Gruppe finnischer Investoren eine Kaufvereinbarung traf die im Februar 2025 nach einer speziellen Ausnahmegenehmigung abgeschlossen wurde. Als Zeichen des Neuanfangs trägt die Arena seit Juli 2025 den Namen Veikkaus Arena und wurde im Herbst 2025 nach umfassenden Renovierungen wiedereröffnet. Für die Saison 2025/26 wird Jokerit bereits neun Heimspiele in seiner alten Heimat austragen, mit der Option bei einem Liiga-Aufstieg wieder vollständig dorthin zurückzukehren.
Der steinige Weg durch die Mestis
Nach dem KHL-Aus und einem Jahr ohne Spielbetrieb startete Jokerit zur Saison 2023/24 neu in der Mestis, der zweiten finnischen Liga. Angeführt von einem neuen finnischen Eigentümer-Konsortium, dem auch bekannte NHL-Stars wie Esa Lindell und Teuvo Teräväinen angehören, begann der mühsame Wiederaufbau. Der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Nach einem dritten Platz in der ersten Saison gewann Jokerit 2024/25 die Mestis-Meisterschaft und dominiert auch die laufende Saison 2025/26.
Die Liiga-Reform: Aufstockung und neue Dynamik
Die Rückkehr von Jokerit wird durch eine umfassende Reform der finnischen Liiga ermöglicht. Die Liga plant eine Aufstockung für die Saison 2026/27 von derzeit 16 auf 17 oder 18 Teams. Jokerit als amtierender Mestis-Meister hat das Recht eingeräumt bekommen, eine Lizenz zu beantragen die nun erfolgreich erteilt wurde.
Interessant ist dabei das neue Format: In der Saison 2026/27 wird es keine direkten Absteiger geben. Stattdessen spielen die Teams auf den Plätzen 13 bis 16 eine Relegationsserie, während die Teams auf den Plätzen 17 und 18 automatisch absteigen. Für die Saison 2027/28 ist dann geplant die Liiga wieder auf 14 Teams zu reduzieren, um die Qualität zu verdichten und die Belastung der Spieler zu steuern.
Die Rückkehr von Jokerit ist nicht nur für die Fans ein Segen, sondern auch ein wirtschaftlicher Gewinn für die gesamte Liga. Eine Analyse des Beratungsunternehmens EY prognostiziert, dass der Club der Liiga zusätzliche Einnahmen von über 15 Millionen Euro bescheren könnte.
Jokerit Helsinki ist auf dem besten Weg, seine Odyssee zu beenden und ein neues, hoffnungsvolles Kapitel in der finnischen Eishockeygeschichte aufzuschlagen – endlich wieder als Herr im eigenen Haus.



