Kölner Haie 2025/26
Wenn die Hauptrunde zu gut läuft – Ein Playoff-Rückblick
Eine überragende Hauptrunde als Tabellenführer, ein Sweep im Viertelfinale und dann das bittere Aus gegen die Eisbären Berlin. Warum die Kölner Haie am Ende erneut mit leeren Händen dastehen.
Die Saison 2025/26 der Kölner Haie glich einer Achterbahnfahrt der Emotionen. Nach einer historischen Hauptrunde, in der das Team von Cheftrainer Kari Jalonen die Liga dominierte und sich souverän als Tabellenerster für die Playoffs qualifizierte, schien der Weg zum Titel geebnet. Doch die Playoffs schreiben ihre eigenen Gesetze und am Ende stand eine bittere Erkenntnis - Man kann die Playoffs nicht spielen wie eine Hauptrunde!
Die Leichtigkeit des Siegens
In der Hauptrunde zeigten die Haie ein Eishockey auf höchstem Niveau. Mit beeindruckenden 116 Punkten aus 52 Spielen (36 Siege) und einer Tordifferenz von +64 deklassierten sie die Konkurrenz. Spieler wie Patrick Russell (60 Punkte, 27 Tore) und Gregor MacLeod (35 Assists) strahlten enorme offensive Gefahr aus, während Torhüter Janne Juvonen mit einer Fangquote von über 93% und fünf Shutouts die Defensive stabilisierte.
Das Team sammelte Sieg um Sieg und baute ein enormes Selbstvertrauen auf. Vielleicht lief es sogar zu gut. Die Mannschaft gewöhnte sich an das Gewinnen und vergaß möglicherweise, wie es sich anfühlt in schwierigen Situationen Widerstände überwinden zu müssen.
Der Sweep gegen Schwenningen: Trügerische Sicherheit?
Dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit schien sich im Viertelfinale zunächst zu bestätigen. Gegen die Schwenninger Wild Wings setzten sich die Haie mit einem glatten 4:0-Sweep durch. Auch wenn Spiele wie der dramatische 2:1-Sieg nach 104 Minuten in der dritten Overtime am 31. März zeigten, dass Schwenningen durchaus Gegenwehr leistete, marschierten die Kölner scheinbar mühelos in die nächste Runde. Dieser schnelle Erfolg könnte eine trügerische Sicherheit vermittelt haben.
Das Halbfinale: Berlin ist Berlin
Im Halbfinale wartete dann der ultimative Härtetest, die Eisbären Berlin. Die Hauptstädter hatten einen anderen Weg hinter sich! Nach einer soliden, aber nicht überragenden regulären Saison (Platz 6) mussten sie sich in den Playoffs erst gegen Straubing beweisen. Die Eisbären zeigten genau das, was den Haien in dieser Phase fehlte - Playoff-Härte!
Berlin lebte das Eishockey, lief Schlittschuh um jeden Zentimeter Eis und machte enormen Druck. Sie hatten den unbedingten Willen, jeden Zweikampf zu gewinnen. Die Kölner hingegen wirkten in den letzten Partien der Serie langsamer und träger. Die Leichtigkeit der Hauptrunde war verflogen und die physische sowie mentale Intensität der Eisbären schien die Haie zu überfordern.
Die Berliner Playoff-Maschine läuft heiß
Die Topspieler der Eisbären schienen genau auf den Punkt playoffbereit zu sein. Ty Ronning war mit 16 Punkten (6 Tore, 10 Assists) in 12 Playoff-Spielen ein ständiger Unruheherd und erzielte allein im Halbfinale 4 Punkte. Ebenso Liam Kirk (9 Punkte, davon 4 im Halbfinale) und die Routiniers Marcel Noebels (11 Punkte, +4) sowie Leo Pföderl (5 Punkte) lieferten durch harte Arbeit und schmerzhafte Wege ab.
Ein weiterer entscheidender Faktor war die Torhüterposition. Als sich Berlins Stammtorhüter Jake Hildebrand im vierten Halbfinalspiel verletzte, sprang Jonas Stettmer erneut nahtlos ein. Stettmer zeigte überragende Leistungen, verzeichnete in den Playoffs eine Fangquote von 91,77% bei einem Gegentorschnitt von 2,52 und hielt sein Team im Spiel. Zudem kehrte Verteidiger Kai Wissmann nach einer schweren Achillessehnenverletzung im Januar zurück und stabilisierte die Berliner Defensive enorm, da er immer mehr in seine alte Topform kommt.
Kölner Topspieler tauchen ab
Im Gegensatz zu den Berlinern konnten die Kölner Leistungsträger in der entscheidenden Phase nicht mehr an ihre Hauptrundenform anknüpfen. Ein Sinnbild dafür war das Kölner Powerplay, das im Halbfinale oft harmlos und statisch wirkte, während die Eisbären in Überzahl deutlich effizienter agierten.
Auch individuell blieben die Haie hinter den Erwartungen zurück. Der finnische Verteidiger Oliwer Kaski, von dem man sich offensive Impulse erhofft hatte, kam in 10 Playoff-Spielen nur auf 3 Scorerpunkte (2 Tore, 1 Assist) und stand bei einer enttäuschenden Plus/Minus-Bilanz von -5. Zwar steuerten Patrick Russell (6 Punkte in 9 Spielen) und Gregor MacLeod (8 Punkte in 10 Spielen) noch einige Zähler bei, doch die alles überragende Dominanz der Hauptrunde war verschwunden.
Am Ende setzten sich die Eisbären in der Best-of-Seven-Serie mit 4:2 durch. Besonders die Niederlagen zeigten, dass Berlin in den entscheidenden Momenten einfach bereiter war.
Fazit: Ein bitteres Ende
Am Ende mussten sich die Kölner Haie den Eisbären Berlin geschlagen geben. Für die Haie bleibt die bittere Erkenntnis, dass eine überragende Hauptrunde und ein souveränes Viertelfinale keine Garantie für den Titel sind.
Die Mannschaft steht am Ende der Saison gefühlt schlechter da als im Vorjahr. Die Erwartungen waren nach der dominanten regulären Saison enorm hoch, und das Ausscheiden gegen Berlin schmerzt umso mehr, da man phasenweise das Gefühl hatte, die Haie könnten in diesem Jahr den großen Wurf landen. Die Lektion für die kommende Saison ist klar - Playoff-Eishockey erfordert eine andere Mentalität, mehr Härte und die Fähigkeit auch dann zu bestehen wenn es nicht mehr "zu gut" läuft.



