Der perfekte DEL2-Meister und die Frage nach der DEL-Tauglichkeit
Die Krefeld Pinguine haben in der DEL2-Saison 2025/2026 eine historische Leistung vollbracht. Mit einer makellosen Playoff-Bilanz sicherten sie sich den Meistertitel und damit den sportlichen Aufstieg in die PENNY DEL. Doch während in Krefeld noch gefeiert wird, richtet sich der Blick bereits auf die kommende Saison in der höchsten deutschen Spielklasse. Die drängendste Frage lautet: Ist dieser Kader bereit für die DEL, oder droht ein "Dresden 2.0"?
Ein ungeschlagener Durchmarsch und ein krönendes Finale
Die Dominanz der Pinguine in dieser Saison war beeindruckend. Bereits die Hauptrunde schlossen sie als Tabellenerster mit 114 Punkten und einem Torverhältnis von 194:116 ab. In den Playoffs setzten sie diese Form nahtlos fort. Weder der EV Landshut im Viertelfinale noch die Eisbären Regensburg im Halbfinale konnten den Krefeldern auch nur ein einziges Spiel abnehmen – beide Serien endeten mit einem klaren 4:0-Sweep.
Auch im Finale gegen die Kassel Huskies ließen die Pinguine keine Zweifel aufkommen. Das entscheidende vierte Spiel in Kassel war ein Spiegelbild der gesamten Saison. Nach einem 0:2-Rückstand im zweiten Drittel drehten die Routiniers auf. Phillip Gogulla glich mit einem Doppelschlag innerhalb von 44 Sekunden zum 2:2 aus. Im Schlussdrittel brachte zunächst Zack. Dybowski nach Vorarbeit von Marcel Müller die Pinguine in Führung, bevor Müller selbst auf 4:2 erhöhte. Den Schlusspunkt zum 5:2-Endstand setzte erneut Gogulla mit einem Empty-Net-Goal – ein Hattrick im entscheidenden Finalspiel. Mit diesem weiteren 4:0-Sweep krönten sie sich ungeschlagen zum Meister! Drei Sweeps in Folge sind ein historischer Playoff-Durchmarsch.
Die Kaderfrage: DEL-tauglich oder zu alt?
Der sportliche Aufstieg ist geschafft, doch die Herausforderungen in der DEL sind ungleich größer. Ein Blick auf den aktuellen Kader wirft Fragen auf, insbesondere hinsichtlich des Alters und der Physis einiger Schlüsselspieler.
Spieler wie Marcel Müller und Phillip Gogulla bringen zwar immense DEL-Erfahrung mit, sind aber mittlerweile 37 und 38 Jahre alt. Hinzu kommen Alexander Weiß (39), Jonathan Matsumoto (39) und Mark Zengerle (36) die ebenfalls zu den absoluten Routiniers zählen. Ihre spielerische Klasse ist unbestritten, was sie im Finale eindrucksvoll bewiesen haben. Gogulla beendete die Hauptrunde mit 44 Punkten und legte in den Playoffs 14 Punkte nach. Müller kam in der Hauptrunde auf 51 Punkte. Doch das Tempo und die Intensität in der DEL sind deutlich höher als in der DEL2. Ob sie über eine komplette DEL-Saison hinweg noch die nötige Leistung abrufen können, bleibt abzuwarten.
Auch bei den Top-Scorern der abgelaufenen Saison gibt es Fragezeichen. Max Newton, der in der Hauptrunde herausragende 73 Punkte erzielte und in den Playoffs weitere 18 Punkte beisteuerte, gilt als eher klein und nicht besonders schnell. In der DEL wo die Verteidiger physisch präsenter und läuferisch stärker sind, könnte er es schwerer haben sich durchzusetzen. Mathew Santos mit 67 Punkten in der Hauptrunde und 17 in den Playoffs sowie Verteidiger Davis Vandane mit 53 Punkten in der Hauptrunde und 11 in den Playoffs bringen zwar die nötige Physis mit, müssen aber ebenfalls beweisen das sie auf DEL-Niveau konstant punkten können.
Das warnende Beispiel: C.J. Suess und der "Dresden 2.0"-Effekt
Die Sorge vor einem "Dresden 2.0" ist in Krefeld durchaus präsent. Die Dresdner Eislöwen stiegen in der Saison 2025/2026 sportlich aus der DEL ab, nachdem sie zuvor den Aufstieg geschafft hatten. Interessanterweise standen im Dresdner Kader Spieler wie Travis Turnbull und Drew LeBlanc, die zuvor aus der DEL in die DEL2 gewechselt waren und mit Dresden wieder aufstiegen.
Das beste und aktuellste Beispiel für den gravierenden Unterschied zwischen den beiden Ligen ist jedoch C.J. Suess. Der 32-jährige Stürmer kam mit der Erfahrung aus über 200 AHL-Spielen nach Deutschland. In der DEL bei den Dresdner Eislöwen in der Saison 2025/26 kam er in 31 Spielen auf magere 9 Punkte (4 Tore, 5 Assists). Der US-Amerikaner wirkte so behäbig wie seine ehemaligen Teamkollegen Lance Bouma, Andrew Yogan oder Trevor Parkes.
Dieser drastische Leistungssprung nach dem Wechsel von der DEL in die DEL2 verdeutlicht das Problem: Spieler vom Typ "groß, schwer, langsam", die in der DEL2 dominieren oder zumindest solide punkten, stoßen in der DEL schnell an ihre Grenzen. Das Tempo, die taktische Disziplin und die individuelle Klasse der Gegenspieler in der DEL verzeihen keine läuferischen Defizite. Dass C.J. Suess nun wohl mit den Krefeld Pinguinen den Weg in die DEL antreten soll, birgt genau dieses Risiko in sich.
Der Aufstieg auf wackligem Fundament: Altlasten und Nachverpflichtungen
Der sportliche Triumph der Krefeld Pinguine verdient Respekt – aber er sollte nicht darüber hinwegtäuschen, auf wie wackligem Fundament dieser Aufstieg stand. Die DEL-Lizenz für die Saison 2026/27, ohne die der Aufstieg wertlos gewesen wäre, wurde erst kurz vor der Frist erteilt. Die rund 1,4 Millionen Euro, die dafür auf den Tisch gelegt werden mussten, waren ein Kraftakt, der nur durch das Zusammenrücken von Gesellschaftern, Sponsoren und Partnern in letzter Minute gelang. Der KEV trägt eine lange Geschichte finanzieller Krisen mit sich: 1978 Konkurs, 1995 erneut am Abgrund, 2020 kurz vor der Insolvenz. Diese Altlasten sind kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein strukturelles Erbe, das jeden Aufstieg zur Zitterpartie macht.
Noch aufschlussreicher ist jedoch, wie der Kader zusammengestellt wurde, der am Ende die Meisterschale holte. Phillip Gogulla wurde erst im August 2025 – mitten in der Saisonvorbereitung – nachverpflichtet, weil Verletzungen den Kader dezimierten. Sein erster Vertrag lief zunächst nur bis zur Deutschland-Cup-Pause. C.J. Suess kam sogar erst im März 2026, unmittelbar vor den Playoffs, von den Dresdner Eislöwen nach Krefeld. Ein Spieler, der seinen Vertrag in Dresden gerade erst aufgelöst hatte, wurde binnen Tagen zum potenziellen Aufstiegshelden umfunktioniert. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Improvisation. Wenn ein Aufstiegskandidat seinen Kader nicht vor dem ersten Bully der Saison so aufgestellt hat, dass er den Belastungen standhält, spricht das Bände über die finanzielle und strukturelle Fragilität, unter der das deutsche Eishockey leidet. Krefeld ist damit kein Einzelfall – es ist symptomatisch für eine Liga, in der Planung oft dort endet, wo das Budget aufhört.
Fazit: Ein Umbruch ist unausweichlich
Die Krefeld Pinguine stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Einerseits haben sich die Spieler die den Aufstieg geschafft haben eine Chance in der DEL verdient. Andererseits zeigt die Erfahrung – und insbesondere das Beispiel C.J. Suess –, dass ein DEL2-Meisterkader in der Regel nicht ohne signifikante Verstärkungen in der DEL bestehen kann.
Die halbe Mannschaft auszutauschen mag radikal klingen, könnte aber notwendig sein um den sofortigen Wiederabstieg zu vermeiden. Die sportliche Leitung muss eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen DEL-erprobten Spielern und jungen, schnellen Talenten finden, die das höhere Tempo der ersten Liga mitgehen können. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, welchen Weg die Krefeld Pinguine einschlagen. Es bleibt in jedem Fall interessant.



