Mit dem Rücken zur Wand: Die Oilers vor dem frühen Playoff-Aus
Zweimal in Folge standen sie im Stanley Cup Finale. Zweimal waren sie nur einen Wimpernschlag vom ultimativen Triumph entfernt. Doch nun im Frühjahr 2026 droht den Edmonton Oilers ein bitteres und unerwartet frühes Ende. Nach einer dramatischen 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Spiel 4 gegen die Anaheim Ducks steht das Team aus Alberta in der ersten Playoff-Runde mit 1:3 in der Serie zurück. Die Mannschaft um die Superstars Connor McDavid und Leon Draisaitl steht mit dem Rücken zur Wand.
Spiel 4: Ein Spiegelbild der Serie
Das vierte Spiel im Honda Center von Anaheim war ein Sinnbild für die Probleme mit denen die Oilers in dieser Serie kämpfen. Edmonton begann dabei wie eine Spitzenmannschaft, bereits nach 38 Sekunden traf Kasperi Kapanen zur 1:0-Führung und Ryan Nugent-Hopkins erhöhte in der 7. Minute im Powerplay auf 2:0. Die Oilers schienen auf Kurs. Doch im zweiten Drittel drehten die Ducks das Spiel mit zwei Powerplay-Toren durch Cutter Gauthier (7:36) und Mikael Granlund (18:43) zum 2:2. Evan Bouchard brachte Edmonton im dritten Drittel erneut in Führung (3:2), doch Jeffrey Viel glich für Anaheim aus (3:3). Nach nur 2:29 Minuten in der Overtime besiegelte Ryan Poehling das Schicksal der Oilers an diesem Abend – sein Pass wurde von Darnell Nurse abgefälscht und prallte vom Schlittschuh Tristan Jarrys ins Netz.
Ein Blick auf die Statistiken des Spiels offenbart die Dominanz der jungen Ducks-Mannschaft ab dem zweiten Drittel. Anaheim verzeichnete insgesamt 38 Torschüsse gegenüber 27 von Edmonton. Auch am Bullypunkt (53 % für Anaheim) und in der physischen Präsenz (35 zu 25 Checks) hatten die Kalifornier die Nase vorn. Besonders bitter für die Oilers, Torhüter Tristan Jarry zeigte mit 34 Paraden eine starke Leistung und war am Ende durch den Abpraller chancenlos.
Die Gründe für den Absturz
Wie konnte ein Team, das in den letzten Jahren die Western Conference dominierte so ins Straucheln geraten? Die Ursachen sind vielschichtig.
Erstens macht sich eine enorme physische und mentale Ermüdung bemerkbar. Vier aufeinanderfolgende Saisons mit über 100 Spielen haben Spuren hinterlassen. Zweitens hat das Team im Sommer wichtige Rollenspieler und Veteranen wie Corey Perry, EvanderKane und Connor Brown verloren, deren physische Präsenz nun schmerzlich vermisst wird. Die Oilers wirken in dieser Serie oft „weich wie Butter" und lassen die nötige Härte vermissen.
Drittens ist die Defensive ein massives Problem. Bereits in der regulären Saison wies Edmonton die drittschlechteste Gegentorquote der Liga auf. In den Playoffs setzt sich dieser Trend fort. Trainer Kris Knoblauch kritisierte nach Spiel 3 offen die Abwehrarbeit:
„Wenn man sich die Gegentore ansieht sind da einige Dinge die nicht passieren sollten, besonders zu dieser Jahreszeit. Da gibt es ein paar Mal verlorene Deckung vor dem Tor oder ein bisschen Unachtsamkeit mit dem Puck, solche Sachen."
Die jungen Wilden aus Anaheim
Auf der anderen Seite steht ein Team aus Anaheim, das vor Energie und Selbstvertrauen strotzt. Die Ducks die sich erstmals seit 2018 wieder für die Playoffs qualifizierten, spielen befreit auf. Angeführt von jungen Talenten wie Leo Carlsson, Cutter Gauthier und Beckett Sennecke, gepaart mit der Erfahrung von Veteranen wie Chris Kreider und Jacob Trouba haben sie die perfekte Mischung gefunden.
Besonders Torhüter Lukas Dostal erweist sich als sicherer Rückhalt. „Er ist der Fels unseres Teams", lobte ihn Teamkollege Cutter Gauthier nach Spiel 4. Die Ducks nutzen ihre Chancen eiskalt und lassen sich auch von Rückständen nicht aus der Ruhe bringen.
Gibt es noch Hoffnung für Edmonton?
Statistisch gesehen ist die Lage für die Oilers düster. In der Geschichte der NHL-Playoffs haben Teams in 333 Best-of-Seven-Serien, in denen sie mit 1:3 zurücklagen nur 32 Mal ein Comeback geschafft – eine Erfolgsquote von knapp 9,6 %.
Doch wenn ein Team weiß wie man das Unmögliche möglich macht, dann sind es die Edmonton Oilers. Erst 2024 holten sie im Stanley Cup Finale gegen die Florida Panthers einen 0:3-Rückstand auf und erzwangen ein Spiel 7. Connor McDavid der in den ersten beiden Spielen dieser Serie ohne Punkt blieb, weiß um den Ernst der Lage:
„Wir haben uns in eine ziemlich gute Position gebracht und einfach keinen Weg gefunden es zu Ende zu bringen. Wir stecken in einem Loch, daran gibt es keinen Zweifel. Wir müssen einen Weg finden zu Hause einen Sieg zu holen.”
Spiel 5 in Edmonton wird nun zum ultimativen Charaktertest. Die Oilers müssen nicht nur taktisch, sondern vor allem mental eine Antwort finden. Andernfalls droht einer Ära, die so vielversprechend begann ein abruptes und enttäuschendes Ende.



